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Sie sind wunderschön, überaus erfolgreich, und sie wollen für Deutschland jetzt möglichst viele Medaillen bei den Olympischen Spielen in Peking gewinnen

Die Kanu-Sportlerin Nicole Reinhardt, die Hockey-Nationalstürmerin Katharina Scholz, Seglerin Petra Niemann und die Judo-Kämpferin Romy Tarangul. Unser Urteil steht bereits heute fest: Alle vier haben Gold verdient

1. Nicole Reinhardt

>> Disziplin: Kanu
>> wird 1986 in Lampertheim geboren, beginnt mit sieben Jahren den Kanu-Rennsport und gewinnt bis zu ihrem 22. Lebensjahr bereits elf Goldmedaillen bei Welt- und Europameisterschaften. In Peking gehört sie im Einer- und im Vierer-Kajak zu den Gold-Favoriten.
>> „Dicke Arme brauch ich nicht“ Die Kanu-Sportlerin Nicole Reinhardt könnte in Peking gemeinsam mit ihrem Freund, dem Kanuten Tim Wieskötter, Geschichte schreiben. Elf Goldmedaillen bei Welt- und Europameisterschaften – die meisten Sportler wären glücklich, ihre Laufbahn mit einer derart außerordentlichen Bilanz beenden zu können. Die Kanutin Nicole Reinhardt steht noch fast am Anfang ihrer Karriere. Und hat mit nur 22 Jahren ihren Trophäenschrank schon voll. Fast jedenfalls. „An fehlendem Platz wird es zuallerletzt scheitern, wenn ich das goldene Dutzend in Peking voll mache“, sagt die Ausnahmeathletin. „Und selbst wenn ich eine erfolgreiche Kanu-Oma werden sollte, finde ich für jede Medaille den richtigen Platz.“ Von der Oma ist die schöne Hessin noch Jahrzehnte entfernt, ebenso wie von den Vorurteilen, Kanu-Sportlerinnen müssten kraftstrotzende Muskelberge sein: „Im Kanu kommt es gottlob auch auf die Technik an. Bei uns gibt es Frauen“, sagt sie, „die haben wesentlich dickere und kräftigere Arme als ich.“ Und am Ende wesentlich weniger Erfolge. Die Männer und Frauen des Kanu-Verbands gehören seit Jahren zu den Rettern des deutschen Medaillenspiegels. Nicole Reinhardt selbst will ihren Teil zu dieser Erfolgsgeschichte jetzt beitragen. So, „dass Peking künftig zu meinen Lieblingsstädten zählt“, erklärt die Sportlerin vom WSV Lampertheim. Nicole Reinhardt kann noch weitere Rekorde brechen. Sie und ihr Lebensgefährte, der Kanu-Star Tim Wieskötter, der in seiner Laufbahn schon 2004 Gold im Zweier gewinnen konnte und sich bis heute 14 Weltmeistertitel erkämpft hat, könnten zum erfolgreichsten Olympia-Paar Deutschlands – vielleicht sogar der ganzen Welt – werden. Bis dahin trainiert Nicole Reinhardt lieber, als chinesische Höflichkeitsformeln zu büffeln: „Es ist schwerer, diese Sprache zu lernen“, sagt sie, „als in China eine Goldmedaille zu gewinnen.“

2. Romy Tarangul

>> Disziplin: Judo
>> wird 1987 in Frankfurt (Oder) geboren. Die Judo-Athletin studiert in Berlin Sport und Geografie für Lehramt. Sie gewann in der in Europa hart umkämpften 52-Kilo-Klasse zuletzt die Silbermedaille bei der EM in Lissabon. In Peking wird sie bei ihren ersten Olympischen Spielen antreten.
>> „Ich werde kämpfen!“ Als Vize-Europameisterin fährt die 20-jährige Romy Tarangul nach China. Und will möglichst viele Gegnerinnen auf die Judo-Matte werfen. Ihre bevorzugte Gürtelfarbe ist selbstverständlich Schwarz. Auch zur Jeans, versteht sich. Als kleines Mädchen macht Romy Tarangul noch Ringkämpfe mit ihrem Vater, einem begeisterten Ringer. Bis der einen Aushang für Judo sieht und mit der damals achtjährigen Tochter erstmals zum Training fährt. Die japanische Kampfsportart macht der Kleinen sofort Spaß. „Vor allem“, sagt sie, „als ich dann auch mal Jungs aufs Kreuz legen konnte.“ Dass die 20-jährige Romy Tarangul aus Frankfurt (Oder) nun in Peking bei Olympia für Deutschland starten darf, ist für die Athletin der bislang größte Erfolg in ihrer jungen Kar-riere. „Das hätte ich mir nicht erträumt“, sagt sie, noch immer unter dem Eindruck ihres ersten Podiumsplatzes bei einer Europameisterschaft, „so plötzlich gehörte ich zur Elite.“ Viele Männer haben auch heute noch Respekt vor der zierlichen Frau. „Die Kombination aus Kampfsport und Frauen wird immer gleichgesetzt mit unweiblichen Muskel-Amazonen“, sagt die Vize-Europameisterin. Spätestens seitdem sich Romy Tarangul für uns auf die Matte gelegt hat, dürfte dieses Vorurteil wohl für immer aus der Welt sein.

3. Katharina Scholz

>> Disziplin: Hockey
>> wird 1983 in Berlin geboren. Mit der deutschen Hockey-Nationalmannschaft wird die Stürmerin mit der Rückennummer 14 im Jahr 2005 Vize-Europameisterin und 2007 Europameisterin in Manchester. In Peking tritt sie zu ihren ersten Olympischen Spielen an.
>> „Hockey ist sexy“ Die deutschen Hockey-Damen reisen als Titelverteidigerinnen zu Olympia. Stürmerin Katharina Scholz soll sie nun erneut zur Goldmedaille schießen. Die Hypothek ist groß: Die deutsche HockeyNationalmannschaft hat bei den Olympischen Sommerspielen 2004 in Athen Gold geholt. Die Titelverteidigung ist der Maßstab. Deutschland ist zwar nicht die klassische Hockey-Nation, aber trotzdem – bei Männern und Frauen – eine internationale Großmacht. Sechs Teamkolleginnen von Katharina Scholz wissen noch, wie es sich anfühlt, eine Goldmedaille um den Hals gehängt zu bekommen. Für Katharina Scholz vom Münchner SC und den Großteil ihrer Mitspielerinnen wäre das eine neue Erfahrung. Eine, für die unsere Hockey-Frauen alles geben werden. Sie selbst weiß: „Mit etwas Glück ist in Peking alles möglich.“ Die in Berlin geborene Spitzenathletin ist über Freunde zum Hockey-Sport gekommen. Der Sport hat in ihrer Familie keine Tradition. Die Gründe für ihre Sportwahl waren ganz einfach: „Die klassischen Mädchenhobbys Reiten oder Ballett waren damals einfach nichts für mich“, sagt die 25-Jährige. Die Olympia-Vorbereitungen sind so weit gediehen, dass Katharina Scholz immerhin schon „Guten Tag“ auf Chinesisch beherrscht. Über einen Boykott der Spiele hat sie natürlich nachgedacht – wie viele deutsche Athleten. Am Ende hat sie sich trotz der Tibet-Problematik entschlossen, in Peking aufzulaufen. Auch, weil sie glaubt, „dass die vorhandene Medienpräsenz bei den Spielen vielleicht zu positiven Veränderungen beitragen kann“. Der Fokus der letzten Wochen vor dem olympischen Hockey-Turnier liegt für Katharina Scholz, wie für ihre Teamkolleginnen, allein auf der sportlichen Vorbereitung. Dennoch hat sie uns verraten, was sich viele Männer angesichts dieses harten Sports immer wieder fragen: Was tragen Hockey-Frauen eigentlich drunter? „Unterwäsche“, sagt die Stürmerin, „keinen Panzer!“

3. Petra Niemann

>> Disziplin: Segeln
>> wird 1978 in Berlin geboren und beginnt im Alter von acht Jahren mit dem Segeln. Seit 2005 kämpft sie in der Laser-Klasse, gewinnt 2006 die Kieler Woche und belegt bei den Weltmeisterschaften 2006 den zweiten und 2007 den dritten Platz.
>> „Das Gespür für Wind“ Die Seglerin Petra Niemann hat schon bei Schnee und Hagel trainiert. Dafür will sie nun bei den Spielen auf der Sonnenseite stehen. Nein, Seglerinnen sind nicht von Natur aus Sonnygirls. Von wegen Strand, Sonne und ein wenig über seichte Wellen schippern. Wer es als Leistungssportlerin so weit bringt, dass in diesem Sommer die Olympischen Spiele von Peking auf dem Wettkampfkalender stehen, hat hart gearbeitet und sich gequält: „Ich bin schon bei Schnee, Regen, Graupel und Hagel gesegelt“, sagt Petra Niemann. „An Land steht Kraft- und Konditionstraining auf dem Plan, und alles, was wir auf dem Wasser tun, ist genauestens einstudiert.“ Aber Segeln auf allerhöchstem Niveau erfordert – außer Fleiß und Plackerei – eine profane, aber entscheidende Fähigkeit: „Du musst den Wind lesen können.“ In Peking will die schöne Berlinerin nun auf das Siegertreppchen. Ein Ziel, das sie fast aufgegeben hätte: Eine Sehnenscheidenentzündung zwang die Sportlerin 2007 zu einer mehrmonatigen Wettkampfpause. Eine Zeit, die an Nerven und Willenskraft zehrte, sie dachte schon an ein Ende der Karriere. Jetzt ist sie zurück und der Vorruhestand kein Thema mehr. Insgeheim hat sie sogar schon einmal über das mögliche Siegermenü nachgedacht: „In China habe ich noch nie schlechte Erfahrungen mit dem Essen gemacht“, weiß Petra Niemann zu berichten. „Ich zeige immer auf das Essen, das gut aussieht – und hoffe, dass es am Ende kein Hund oder Affe war.“

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